Meine Zeit als Felsberger Dorfschreiber

Ein Versuch des Journalisten

2004 berief der Felsberger Ortsrat mich zum ehrenamtlichen Dorfschreiber in meiner Heimatgemeinde. Für mich ging es in den vergangenen Jahren nicht so sehr um die Erfüllung einer Chronistenpflicht, sondern um ein literarisches Bemühen, das vorerst noch in den Anfängen stecken geblieben ist.

Fünfzig Jahre deutsch-französische Begegnungen

Als Abbé Jacques Vauchelle und seine Volkstranzgruppen zum ersten Mal nach Felsberg kamen

In Felsberg will man im August ein besonderes Jubiläum feiern: Fünfzig Jahre deutsch-französische Begegnungen. Denn im Sommer 1964 kam Abbé Jacques Vauchelle mit seiner Jugendgruppe zum ersten Mal ins Dorf. Innerhalb von vier Wochen zwei Mal. Edgar Neumann, der Initiator, erinnert sich, wie es dazu kam. Er schreibt:

Es geht um fünfzig Jahre Kontakte zwischen deutschen Familien in Felsberg und französischen Familien in Le Havre und Umgebung.

Deutsch-französische Begegnungen im Dorf und in der Stadt hat es schon zwei Jahre früher gegeben. Bereits 1962 hatte eine Handvoll Jugendlicher aus Felsberg einer Einladung des Militärgeistlichen in der französischen Garnison in Saarlouis Folge geleistet. Man traf sich mehr oder weniger regelmäßig mit Kindern und Jugendlichen der französischen Offiziersfamilien. Aber auch Soldaten fanden Kontakte in Felsberger Familien und wurden ab und an sonntags zum Essen eingeladen. Dazu gekommen war es, als ich den Pax-Christi-Austauschdienst unter der Leitung von Adolf Lang kennen lernte. Und bei meinen Absichten, der Einladung, die er mir vermittelte, Folge zu leisten, vom damaligen Felsberger Jugendgruppenleiter Stefan Reuter sofort unterstützt wurde.

Diese Kontaktpflege war wohl der Grund dafür, dass Adolf Lang mir im Spätherbst 1963 eine Postkarte aus Le Havre in die Hand drückte und mir nahe legte, die Bitte von Abbé Vauchelle zu prüfen. Der Jugendpfarrer suchte wenige Monate nach Abschluss des Elysee-Vertrages nach Möglichkeiten für deutsch-französische Gruppenkontakte. Seine Volkstanzgruppen fuhren regelmäßig in ein Ferienlager in den Vogesen. Erste Gespräche mit Leuten im Dorf führten ebenso zu Skepsis wie Begeisterung. Am Ende stand aber doch eine gewisse Zustimmung zum Vorhaben, dem vor allem der damalige Bürgermeister Alois Hoffmann sofort seine volle Unterstützung zusicherte. Die Antwort aus Le Havre ließ dann aber den ganzen Winter über auf sich warten.

Im Frühjahr 1964 begann dann für mich das Klinkenputzen im Dorf. Wer würde als Gastfamilie zur Verfügung stehen? Erst einige Wochen später sollte feststehen, dass Abbé Vauchelle zweimal, sowohl Ende Juli als auch Mitte August, mit einem ganzen Bus voll junger Mädels, Volkstanzgruppen unterschiedlichen Alters, mit einem Ehepaar als erwachsene Begleiter kommen würde.

Der Jugendpfarrer und das Elternpaar sowie der Busfahrer wurden in Familien untergebracht. Die Mädels schlugen ihre Zelte beim Saarlouiser Brunnen auf. Mitglieder der Katholischen Jugend hielten Nachtwache. Zum Frühstück holte man beim Bauern nebenan eine Kanne Milch, Brote usw. im Geschäft in der Nachbarschaft. Die Hauptmahlzeit wurde in Familien eingenommen. Wegen der nicht immer einfachen Verständigung herrschte anfangs nicht bei allen Französinnen eitel Sonnenschein, manche Gastfamilien sorgten sich wegen des bemerkbaren Kummers. Doch beim deutsch-französischen Abend im Gasthaus Hoen war davon längst keine Rede mehr.

Sowohl der Abbé als auch die Gastgeber betrachteten den Start positiv, so dass im darauf folgenden Jahr nicht nur Jugendgruppen aus Le Havre nach Felsberg kamen sondern auch ein ganzer Bus voll Jugendlicher aus Felsberg und Umgebung in die Normandie fuhr. In den beiden ersten Jahren dieser deutsch-französischen Beziehung, die nun über fünf Jahrzehnte anhält, selbst nach dem zu frühen Tod von Jacques Vauchelle (1976), hatte der Pax-Christi-Austauschdienst in Saarlouis die organisatorische Federführung, auch wegen der Abwicklung von Zuschüssen, der notwendigen Versicherungen usw. Als nach dem ersten Jahr die Gäste aus Le Havre zunächst ganz in Gastfamilien untergebracht wurden und später gemeinsam als Gruppe im Schulsaal logierten, entstanden die ersten Ideen für eine "Arbeitsgemeinschaft Le Havre", die nach einiger Zeit gegründet wurde.

In den ersten beiden Jahren hatte ich eine ganze Schar von Helfern und Helferinnen zur Seite, neben Hans-Georg Reuter und anderen aus der Katholischen Jugend auch mehrere junge Leute aus dem Dorf, die mir über Monate hinweg halfen, eine "Zeitung" in mehreren Ausgaben zu erstellen, die ein Gegenstück zu einer Club-Zeitschrift in Le Havre sein sollte; man übersetzte auch immer wieder Beiträge der anderen Seite.

Als die ersten deutsch-französischen Begegnungen in Felsberg stattfanden gab es im Saarland noch nicht viele, andere Orte haben sich erst später darum gekümmert.

Und nun, fünfzig Jahre später, bekam ich jüngst unverhofft Post aus Le Havre. Eine Frau, damals bei den ersten Gruppen dabei, meldete sich per Mail, weil sie sich auf einer Fahrt von München zurück in die Normandie "der herzlichen Aufnahme in Felsberg" erinnerte. Sie und ihre beiden Schwestern waren damals "herzlich in Felsberger Familien willkommen". Dabei freute sie sich noch einmal, dass auch Kontakte zu den Studenten in den Gruppen des Internationalen Bauordens entstanden, die damals mit den ersten Ausgrabungen auf der Teufelsburg begannen. Ihr fiel ein, dass nach Ende des "Prager Frühlings" ein Mädchen aus der Tschechoslowakei erst einmal nicht nach Hause konnte. Sabine Reynolds denkt, dass zum Jubiläum im Sommer einige aus den damaligen französischen Jugendgruppen gerne nach Felsberg kommen werden.